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Mediation- Phasen
Gängige Phasen einer Mediation:
 
Mediation ist ein lebendiger Prozess und verläuft in mehreren Phasen, die ich kurz skizzieren möchte.
 
 
In der ersten Phase wird die Grundlage geschaffen:
 
Neben der Erläuterung der Grundprinzipien eines Mediationsverfahrens und weiterer Verfahrensgrundsätze stehen folgende Dinge im Fokus der ersten Phase einer Mediation: Soll und kann überhaupt eine Mediation stattfinden? Unter/ mit welchen Regeln läuft diese ab: Gesprächsregeln etc.? Welche Erwartungen haben wir - an uns als Medianten, - an den Mediator, - an die Mediation? 
Welchen Umfang hat die Mediation - Was soll mediiert werden, - was nicht? Was ist mit den Kosten? Wie teuer wird es ungefähr, und wer zahlt was? Wie wäre das Mediationsverfahren, auch vorzeitig, zu beenden?
Und zu guter Letzt - der Abschluss einer Mediationsvereinbarung, die obige Punkte schriftlich fixiert.
 
 
Die zweite Phase dient der Bestandsaufnahme und der Klärung, worum soll es eigentlich gehen in dieser Mediation:
 
Hier werden die Themen gesammelt, über die gesprochen werden soll.
Diese Themensammlung ist offen, d.h. sollten Ihnen im Laufe der Mediation oder zu Hause noch wichtige Themen einfallen, dann könnten wir diese natürlich noch mit auf die Liste setzen.
Übereinstimmungen und Abweichungen/ Meinungsverschiedenheiten werden herausgearbeitet, noch offene Fragen gesammelt.
Ggf. müssen auch noch Informationen von Außen eingeholt, Unterlagen beigebracht, noch andere Personen mit „ins Boot“ geholt werden, wie z.B. Kinder, neue Partner, das Jugendamt etc.
Die Reihenfolge der Bearbeitung der Themen wird in Absprache miteinander festgelegt.
 
 
In der dritten Phase werden die hinter den Standpunkten/ Positionen liegenden Interessen und Bedürfnisse herausgearbeitet und somit der Konflikt bearbeitet.
 
Was in der zweiten Phase seinen Anfang nahm, steht hier im Mittelpunkt. Die nähere Erläuterung eines jeden von ihnen: Worum geht es ihm, wie ist seine Sichtweise der Sache/ Problematik, des jeweiligen Themas, welche Bedürfnisse und Interessen stehen hinter seiner bisherigen Sicht- und Handlungsweise. Der jeweils andere hört zu und nicht selten kommt es hierbei zu „Aha- Erlebnissen“, auch wenn sie das jetzt vielleicht noch nicht glauben mögen, es könnte Ihnen passieren, dass sie plötzlich erkennen:
 - „Ach so meinst Du das.“ – „Das ist Dir also wichtig.“ – „Ja, hättest Du das mal gleich gesagt.“ etc. Doch war dies bisher in ihrer bislang verhärteten Situation so nicht (mehr) möglich. Diese Phase eröffnet neue Räume für die Kommunikation, mehr Verständnis in die Sicht- und Handlungsweise des Gegenübers und somit mehr Möglichkeiten, eine wirklich einvernehmliche Lösung zu finden.
 
 ZIELE
       =
 Zusammenarbeit würdigen
 Individuelle Interessen herausfinden
 Entdecken der gemeinsamen Interessen
 Lösungsmöglichkeiten finden, die individuelle und gemeinsame Interessen decken
 Ergebnisse festlegen
  
 
In der vierten Phase geht es um die Lösung des Konfliktes.
 
Lösungsoptionen werden von ihnen für ihre jeweiligen zu klärenden Themen entwickelt, anschließend bewertet und auf eine nachhaltige Machbarkeit überprüft. Es geht ja darum, möglichst Lösungen zu finden, die ihre individuellen und gemeinsamen Interessen im besten Fall deckungsgleich befriedigen können. Ggf. ist hier nochmals eine Beratung durch andere Stellen angezeigt, um zu prüfen, ob eine entwickelte Lösung auch tatsächlich durchführbar ist (i z.B. das Jugendamt, die Stadtverwaltung o.ä.).
 „Eine Konfliktlösung, die NACHHALTIG wirken soll, muss von allen am Konflikt beteiligten Parteien als wahrhaftig, gerecht,wahr und funktionell passend erkannt werden!
…[Ich] frage daher die Parteien bei der individuellen Bewertung der Optionen:
1. Fühlt sich diese Option für Sie gut an? (Wahrhaftigkeit…)        
2. Fühlen Sie, dass die andere Partei [ihr Gegenüber] sich mit dieser Option auch gut fühlen wird? (Gerechtigkeit…)
3. Woran wird man erkennen können, dass diese Option den [Teil-] Konflikt gelöst haben wird? (Wahrheit…)
4. Erfüllt das System die ihm zugedachte Funktion mit dieser Option auch weiterhin? [z.B. Reicht die gefundene Umgangsregelung aus, um einen intensiven Kontakt zu beiden Elternteilen zu gewährleisten?] (funktionelles Passen…)“
lt. Adrian Schweizer, Mediation Kompakt FernUni Hagen
 
Die gefundenen Teillösungen werden vorerst festgeschrieben und nach Bearbeitung sämtlicher Themen nochmals im Kontext aller Lösungen betrachtet und auf ihre Nachhaltigkeit geprüft.
 
Hieraus wird dann eine Vereinbarung, ein Memorandum entworfen, welches in der fünften Phase festgeschrieben wird.
Je nach Inhalt der Mediation ist es ggf. sinnvoll, dieses Memorandum von einem Juristen auf die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen und Formvorschriften prüfen und/ oder es notariell beglaubigen zu lassen, so dass es hierdurch eine rechtlich Verbindlichkeit erhält.
Das Memorandum wird von allen Parteien, also den Medianten und dem Mediator unterzeichnet.
Nach Abschluss der Mediation wäre es evtl. sinnvoll, sich einen gewissen Zeitrahmen, wie z.B. drei Monate oder ein halbes Jahr, zu setzten und zu schauen, wie die Umsetzung der vereinbarten Lösungen funktioniert.
Ansonsten könnte man bei Bedarf und Wunsch entsprechend nachverhandeln.
 
Abweichungen von der gängigen Vorgehensweise
 
Von diesem gängigen Ablauf kann natürlich auch abgewichen werden, wenn Sie z.B. so zerstritten sind, dass es Ihnen schwer fällt, sich überhaupt zu begegnen. Sie wollen aber dennoch eine möglichst einvernehmliche Lösung finden, weil es z.B. um den Umgang mit Ihren gemeinsamen Kindern geht. Evtl. haben Sie auch eine gerichtliche Aufforderung erhalten, eine einvernehmliche Lösung Ihrer Konflikte herbeizuführen und wollen es daher mit einer Mediation versuchen…
Hier könnte man im Vorfeld überlegen, ob es sinnvoll ist, Einzelgespräche vor- oder einzuschieben, um so einen Teil der vorhandenen Konfliktpotentiale abzubauen und zu schauen, ob es nicht trotz der Konflikte so etwas wie eine gemeinsame Mission oder sogar Vision gibt, wie z.B. dass gemeinsame Kinder trotz einer Trennung möglichst glücklich aufwachsen z.B. dadurch, dass sie einen liebevollen, fördernden Kontakt zu beiden Eltern haben dürfen, sollen, können. Natürlich ist es auch möglich, Gespräche mit den Kindern zu führen, um zu schauen, was diese eigentlich gerne möchten.